
Leipziger Pharmakologen geben Homöopathie-Preis zurück
Datum 13.11.2005 15:33 | Thema: Medizin
| Nieber räumt Fehler ein. Aus GWUP-Aktuelles:
Homöopathie-Preis zurückgegeben
Angebliche Beweise für Homöopathie sind gar keine
GWUP: Vor zwei Jahren erregte eine Untersuchung Aufsehen, bei der Wissenschaftler der Uni Leipzig angeblich einen Nachweis für die Wirksamkeit hochpotenzierter Homöopathika erbracht haben wollten. Für die Arbeit wurde ein Preis von Homöopathie-Förderern ausgegeben. Nun haben die Verfasser der Studie den Preis zurückgegeben.
13.11.2005 - Das mit dem Hans-Heinrich-Reckeweg-Preis 2003 für herausragende Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Homöopathie ausgezeichnete Wissenschaftlerteam der Uni Leipzig hat seinen Preis lt. Meldung der "Deutschen Apothekerzeitung (DAZ)" zurückgegeben. Grund: Die Wissenschaftler mussten eingestehen, dass ihre Untersuchung fehlerhaft ist. Die Leipziger hatten letztes Jahr die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für den angeblich im Labor geführten Nachweis erhalten, dass mit Belladonna-Verdünnungen in homöopathischer Dosis (D 32, D 60, D 100) signifikante Wirkungen nachweisbar sein sollten. An Präparaten aus dem Magen-Darm-Trakt von Ratten wurde mit den extrem verdünnten Extrakten, die in höherer Dosierung Darmbewegungen beeinflussen können, geprüft, ob der Wirkstoff auch in nicht mehr nachweisbarer Auflösung noch wirkt – scheinbar mit Erfolg. Sogar mit den hochpotenzierten Substanzen wollten die Wissenschaftler noch Änderungen bei Kontraktionen des Gewebes gemessen haben.
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Quelle/Volltext:
http://www.gwup.org/aktuell/news.php?aktion=detail&id=301
Kommentar:
Den Preis zurückzugeben ist nur der erste Schritt. Die Öffentlichkeit ist zumindest grob fahrlässig getäuscht worden. Nieber und Süß haben nicht nur eine Wahrheitspflicht als Wissenschaftler, sondern sie haben als Beamte meiner Ansicht nach auch noch eine besondere Verpflichtung, dem Gemeinwohl nicht zu schaden.
Wie sieht der Schaden für das Gemeinwohl nun aus?
Zum einen sind zwei Nachwuchskräfte in ihrer wissenschaftlichen Fortentwicklung geschädigt worden. Die Frage stellt sich nun, wer die Selektion der Daten betrieben hat. Die, die zum wissenschaftlichen Arbeiten anleiten sollen, oder die, die erst noch wissenschaftliches Arbeiten lernen sollen? Fakt ist, für diesen Preis der Firma Heel sind zwei Studenten sozusagen verheizt worden. Sowohl die Diplomandin als auch der Doktorand haben nicht wissenschaftliches Arbeiten gelernt, sondern wie man mit ein wenig Geschick und Chuzpe aus *Nichts* einen dollen "Forschungspreis" zaubert. Nieber und Süß haben also aus Studenten Zauberlehrlinge gemacht. Wenn die beiden Pech haben, wird es am Ende noch so ausgehen, dass die Beiden das alleine auszubaden haben.
Zum anderen ist das Klassenziel hinsichtlich der Werbewirksamkeit bereits erreicht worden: Es gab schon Nobelpreise, die weniger Medienaufmerksamkeit hatten. Wenn man die Rückgabe des Preises jetzt hübsch leise macht, wird sich das für die Firma Heel trotzdem gelohnt haben: etliche wohlwollende bis überschäumende Berichte in den Medien haben die Wirksamkeit auf die Bevölkerung nicht verfehlt, die Rückgabe des Preises ist für Journalisten keine vergleichbare Nachricht. Das gibt einen Dreizeiler auf der vorletzten Seite, im Fernsehen wird das wahrscheinlich gar nicht stattfinden. Es kann sogar sein, dass die Rückgabe sich auch der Kenntnisnahme der Wissenschaftjournalisten entzieht: Beneveniste wird ja auch immer noch angeführt, wenn denn der Journalist entschlossen ist, einen Homöopathie-freundlichen Beitrag zu machen. Die Öffentlichkeit hätte allerdings einen Anspruch darauf, in gleicher Breite über diesen ungeheuren Vorgang informiert zu werden.
Zwei Universitätsprofessoren haben also versucht, einer Quacksalbermethode wissenschaftlichen Anstrich zu geben. Damit wurden sie weder der Verantwortung ihrer Stellung noch ihrem Forschungsauftrag gerecht.
Gespannt sein darf man übrigens auf die Pressemitteilung der Universität Leipzig: Wrd es eine geben? Was wird man schreiben?
Ich kann nur hoffen, dass die Uni Leipzig diese Vorfälle intensiv aufklären wird und auch ergründen wird, wann und wodurch da solche Begehrlichkeiten geweckt wurden.
Pseudowissenschaft hat an Universitäten nichts zu suchen. Die kann man ruhig den "Hinterhof-Instituten" überlassen. Solche Fehlleistungen haben weder die Studenten noch die Steuerzahler, erst recht nicht die Patienten, die sich auf solche Werbe-Studien verlassen, verdient.
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